Während die meisten Siegerländer am 1. Januar wohl ihren Rausch von einer feucht-fröhlichen Silvesternacht ausschlafen, geht es im oberen Ferndorftal erst so richtig zur Sache. Denn jedes Jahr am Neujahrstag startet pünktlich um 7 Uhr in der Früh der traditionelle Bärenlauf der Bärengruppe Helberhausen – ab dann arbeitet sich der Tross lautstarker Kerle von Haustür zu Haustür, wünscht allen Bewohnern in den drei Ortschaften Hadem, Helberhausen und Oberndorf ein frohes neues Jahr und vertreibt mit viel Lärm und Gesang die bösen Geister aus den Häusern. Kostümiert und geschminkt als Bärenführer, Mexikaner, Matrose, Kassa, Negermädchen, Teufel, Hexe und natürlich als Bär, treiben die wilden Gesellen dabei auch Spenden ein, die im Anschluss stets caritativen Zwecken zugutekommen.

Hexe

Hexe

Lukas Roth

Bär

Bär

Christopher Dornhöfer

Bärenführer

Bärenführer

Matthias Meinhardt

Matrose

Matrose

Benjamin Winke

Teufel

Teufel

Jan Philipp Langer

Negermädchen

Negermädchen

Lucas Türtmann

Mexikaner

Mexikaner

Marc Stücher

Kassa

Kassa

Philipp Stötzel

Wann genau der erste Bär an die Kette gelegt wurde, lässt sich heute allerdings nicht mehr sicher sagen. Fest steht jedenfalls, dass es zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewesen sein muss. Damals ging der Bär mit seinem Bärenführer, auf allen Vieren kriechend, als Fellimitation mit einer Wolldecke behangen, von Haus- zu Haustür, um den üblichen Obolus in Form einer Bratwurst aus der eigenen Hausschlachtung zu empfangen.

In den finsteren Jahren des 1. und 2. Weltkrieges pausierte das bunte Treiben aus nachvollziehbaren Gründen. Auch der genaue Grund für die schöne Tradition bzw. die Wahl ausgerechnet jener Charaktere ist nicht exakt überliefert. Bekannt ist aber, dass es zur Mitte des 19. Jahrhunderts nicht nur weniger Geld, sondern vor allem Lebensmittel für die lustigen Gesellen bei ihrem Rundgang gab. Zu dieser Zeit beschränkte sich der Bärenlauf noch auf Helberhausen und Oberndorf, die Einwohnerzahl damals lag etwa bei der Hälfte der heutigen (die Erweiterung auf Hadem folgte erst im Jahr 1975). Gute Zeiten für Langschläfer: Damals startete der Bärenlauf am Nachmittag, gespendet wurde wie schon oben beschrieben meist eine Wurst statt den heutigen Münzen oder Scheinen. Da viele Leute vor Beginn des Winters selber schlachteten, war es üblicher, den Bären hier und dort auch schon mal eine Wurst zuzustecken anstatt einer Spende für einen gemeinnützigen Zweck. Manche "Altbären" berichteten, dass es an mancher Stelle qualitativ minderwertige und sogar versalzene Wurst gab, die man extra zu diesem Zwecke angefertigt hatte. Die Würste wurden gesammelt und abends in die Erbsensuppe, welche in den Jahren nach dem Krieg von "Schrawe" Alma umsonst für die Gruppe gekocht wurde, gesteckt. In Ermangelung von Schminke cremten sich die Bären das Gesicht mit Nivea ein und schwärzten es dann mit Ruß von der Ofentür.

Im Laufe der Jahrzehnte jedoch haben sich der Bärenlauf und der Bärenball im Ortsleben Helberhausens mit den Nachbardörfern Hadem und Oberndorf fest etabliert. Am Neujahrstag schließen sich beispielsweise einige Nachbarschaften zu eigenen Nachbarschafts- oder Straßenfesten zusammen und sehnen gemeinsam die Ankunft der Bärengruppe herbei. Das gilt auch immer mehr für "Zugezogene" und das Neubaugebiet in Hadem – für die Bärengruppe kann sich eben nach und nach jeder erwärmen. Viel hat sich im Laufe der Jahrzehnte gewandelt und aufgrund dieses Brauches gibt es die heutige Bärengruppe, die sich aus einem Bären, dem Bärenführer, einem Zigeunermädchen, einem Musikanten mit der berühmten "Knutsche", einem Teufel mit seiner Teufelsgeige sowie zwei ebenso bunte Gestalten als Kassierer und Mexikaner, der mit seinem Schnapskorb die Bewohner und Gruppe versorgt, zusammensetzt. Im Stadtteil Hadem beginnend, über Helberhausen nach Oberndorf und zurück nach Helberhausen wird die Gruppe von den anliegenden Hausbesitzern erwartet. Ein Jahresbeginn ohne die "Bären" ist einfach undenkbar.

Aber wer darf überhaupt dem erlesenen Kreis der Helberhäuser Bärengruppe beitreten? Grundsätzlich jeder Junggeselle aus Hadem, Helberhausen oder Oberndorf, der seit mindestens zehn Jahren seinen festen Wohnsitz in einer der drei Ortschaften hat.

Die aktuell „amtierende“ Bärengruppe bestimmt dafür stets einen Jungbär-Beauftragten, der die betreffenden jungen Männer sichtet und dem Nachwuchsbedarf entsprechend einlädt. Denn bevor man sich selbst in eines der bunten und traditionsreichen Kostüme werfen darf, steht zunächst eine Bewährungszeit als Jungbär an. Den Jungbären obliegt dabei vor allem die Bewirtung und der reibungslose Ablauf des Bärenballs.

Falls ihr nicht gefragt wurdet und die oben genannten Kriterien erfüllt, dann meldet euch doch einfach.